Gewalt gegen Frauen: Was medizinisches Fachpersonal täglich erlebt und was sich ändern muss

Gewalt gegen Frauen hinterlässt tiefe Spuren, nicht nur bei den Opfern selbst, sondern in allen Schichten der Gesellschaft. Für Fachkräfte im Gesundheitswesen ist dies eine Realität, mit der sie häufiger konfrontiert sind, als ihnen lieb ist. Zwei psychiatrische Krankenschwestern, die aufgrund ihres Berufs anonym bleiben möchten, berichten von ihren Erfahrungen in ihrer Arbeit. Sie begegnen nicht nur Frauen, die von Gewalt in der Partnerschaft betroffen sind, sondern auch den Männern, die diese Gewalt ausüben.

„Stalking, intimer Terror und häusliche Gewalt können eine Frau buchstäblich krank machen. Wenn eine Frau mit verdächtigen Verletzungen ins Krankenhaus kommt, ist es Aufgabe des Pflegepersonals, herauszufinden, woher diese stammen. Als psychiatrische Pflegekräfte sind wir nur vorübergehende Begleiter im Leben eines Menschen. Aber es ist unsere Aufgabe, unsere Augen und Ohren offen zu halten, unser Bauchgefühl nicht zu ignorieren und genau nachzufragen. 

Viele Frauen schämen sich sehr für ihre Situation und tun alles, um die Ursache ihres Leids oder ihrer Verletzungen zu verbergen. Wir versuchen, dies zu durchschauen und herauszufinden, was hinter bestimmten traumatischen Beschwerden steckt. Bei jedem Klienten beginnen wir mit einer umfassenden Untersuchung. Wir hören zwischen den Zeilen, erkennen Signale und kommen so zu einer Schlussfolgerung. Wenn Sie Zweifel haben, wissen Sie bereits, dass Sie einen Kollegen um Rat fragen müssen. 

Wir sehen nicht nur Opfer von Gewalt gegen Frauen. Auch die Täter kommen zu uns. Wenn ein Mann angibt, seine Frau umbringen zu wollen, kann man als Sozialarbeiter aufgrund der Schweigepflicht und der Privatsphäre des Klienten nicht immer Maßnahmen ergreifen. Dann steht man als Sozialarbeiter mit dem Rücken zur Wand.

Die Fälle, in denen auch Kinder involviert sind, treffen einen noch härter. In einer Familie, in der die Mutter ermordet wird, fehlt es den Kindern an jeglicher Form von Sicherheit. Sie wachsen ohne Bindung auf. Und auch das Leben der Eltern, Kollegen und Freunde dieser Mutter wird nie mehr so sein wie zuvor. Unserer Meinung nach sollte viel mehr Aufmerksamkeit auf die Täter und die Erziehung von Jugendlichen gerichtet werden. Bringen Sie ihnen bei, wie man mit Verletzungen oder Ablehnung umgeht. Zeigen Sie ihnen, was ein gesundes Bild von Männern und Frauen ist, und dass eine Frau niemals jemandes Eigentum ist.

Die Erfahrungen dieser psychiatrischen Pflegekräfte zeigen, dass Femizid und andere Formen von Gewalt gegen Frauen viel häufiger vorkommen, als wir denken. Die Außenausstellung FEMIZID macht dieses Problem sichtbar. Sie zeigt, dass diese Gewalt kein Zufall ist, sondern ein großes gesellschaftliches Problem, gegen das wir gemeinsam etwas unternehmen müssen.